Zum Tode von Norbert Thines

Aus DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Pfälzische Volkszeitung vom Dienstag, 08. Juni 2021

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Aus dem SWR-Interneteintrag von Montag, 07. Juni 2021

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Norbert Thines ist tot. Der langjährige Präsident des 1. FC Kaiserslautern starb in seiner rheinland-pfälzischen Heimat im Alter von 80 Jahren. SWR-Sportredakteur Stefan Keber hat Thines lange Jahre begleitet – ein ganz persönlicher Abschied.

Sein Brief liegt immer noch auf meinem Schreibtisch. Zweifarbig, rot und blau, in seiner klaren Handschrift. Er bietet mir darin nicht nur das “Du”, sondern die Freundschaft an.

Hauptperson beim Abstieg 1996

In 99 von hundert Fällen ist es kein gutes Zeichen für einen Journalisten, wenn ihm ein Funktionär die Freundschaft erklärt. Und er hat mich damit ziemlich überrascht. Da wurde mir erst bewusst, was meine Film-Dokumentation “Fußballfieber – die Geschichte des FCK” für ihn bedeutete. In 45 Minuten hatte ich die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern für den SWR dargestellt. Und er war selbstverständlich die Hauptperson, als es um den Abstieg 1996 – dem ersten – aus der Bundesliga ging.  Denn da war er zurückgetreten, als ehrenamtlicher Präsident des FCK. Vor allem aber war er Protagonist als Buhmann. Weil man ihm den Abstieg zur Last legte.

Es waren die Profis, die den langsamen Untergang des FCK einläuteten – auch wenn sie nach dem Wiederaufstieg 1998 erst mal Sensationsmeister wurden.

Mit Norbert Thines wäre manches anders gelaufen

Heute wissen wir: Mit einem Norbert Thines als Präsident wäre der Betze vielleicht nicht Meister 1998 geworden. Er wäre aber heute auch nicht drittklassig. Überschuldet, ohne Stadion. Und genau das hatte ich herausgearbeitet: Eine späte Rehabilitierung seines Schaffens beim FCK sozusagen. Und für ihn Anlass genug, mir die Freundschaft anzubieten.

Norbert Thines war die gute Seele von Kaiserslautern

Ich gebe meine journalistische Unabhängigkeit sicher nicht auf, wenn ich sage: Ich fühlte mich geehrt. Denn Norbert Thines war nicht irgendwer. Er war die gute Seele von Kaiserslautern. Er hat beim FCK schon als Geschäftsführer mit Herz die Fans eingebunden, die FCK-Familie zusammengehalten. Mit Ronnie Hellström und Roland Sandberg kam er ins damalige SWF-Studio zur Fastnacht und spielte mit ihnen “Die Tramps von de Palz”.

Mit Kalli Feldkamp feierte er Pokalsieg und Meisterschaft als Präsident. Und nach seinem Rücktritt schlug seine soziale Ader voll durch. Hilfstransporte nach Osteuropa, Gründung des Vereins “Alt-arm-allein” – und dann auch noch das FCK-Museum, das maßgeblich ihm zu verdanken ist. Es gibt also gute Gründe auf die Freundschaft von Norbert Thines stolz zu sein.

Er liebte den FCK

Ich sah ihn zum letzten mal beim Totengedenken der FCK-Mitglieder, im Dezember 2018 am Ehrenmal. “Beschissen” antwortete er auf die Frage, wie es ihm geht. Es war ihm anzusehen – er war auf der Zielgeraden seines Lebens. Als gläubiger Christ war das kein Schrecken für ihn. Sein Leben war erfüllt – und es war gut. Auch wenn seine Frau manchmal klagte, sie komme weit hinter Hund und FCK in seiner persönlichen Wertschätzung. Er hat sie geliebt. So wie er das Leben liebte. Und den FCK.

Jetzt ist er gegangen. Ins nächste Leben. Der Mann, dessen Brief noch immer auf meinem Schreibtisch liegt. Und wenn ich ihm einst nachgehe, wird man diesen Brief in meinem Nachlass finden. Zweifarbig. Rot und blau. In seiner klaren Handschrift.

 

 

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